Blaskapelle Oyten e.V.

wir machen Musik

Achimer Kurier 13.03.2015

Holger Becker ist seit Anfang Februar neuer Dirigent der Blaskapelle Oyten – und nimmt dafür lange Wege auf sich

Der Vollblutmusiker

Am Anfang waren die Zweifel. „Ich wollte erst nicht“, erinnert sich Holger Becker zurück an die Zeit, als die Frage, ob er neuer Leiter der Blaskapelle Oyten werden möchte, noch im Raum stand. Letztlich ließ er sich aber doch überzeugen – von seiner Frau, die in der Kapelle Klarinette spielt. Seit Anfang Februar dirigiert der 39-Jährige nun die 1988 gegründete Formation.

 

Holger Becker ist in seiner musikalischen Laufbahn schon viel herumgekommen. Der neue Dirigent der Blaskapelle Oyten hat sich perspektivisch als Ziel gesetzt, junge Musiker in den Verein zu holen. (FOCKE STRANGMANN)

Damit er das Montagabend für Montagabend machen kann, nimmt Holger Becker einen nicht eben kurzen Weg auf sich. Runde 50 Kilometer ist er jede Woche unterwegs – für eine Strecke aus Wildeshausen, wohlgemerkt. Da kommt im Monat schon eine ordentliche Summe Benzingeld zusammen. Aber Holger Becker betreibt den Aufwand gerne, einfach weil er ein absoluter Vollblutmusiker ist.

Auf der Suche nach dem Ursprung seiner Leidenschaft muss man sich ins Jahr 1982 begeben. Damals fing Becker an, Trompete zu spielen – es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Die Trompete ist mein Instrument“, sagt der Wildeshauser, dem es gelungen ist, sein Hobby zum Beruf zu machen. Am Operettenhaus Hamburg ist Becker angestellt, seiner weiteren Arbeit geht er freiberuflich nach. „Dass ich davon mein Leben bestreiten kann, ist schon etwas Besonderes“, weiß der neue Oytener Blaskapellen-Leiter, dessen Eltern auch musikalisch tätig waren.

Mit den weniger schönen Nebenwirkungen müsse er einfach leben. Etwa damit, dass er für seine beiden Kinder, zwei und sieben Jahre alt, nur wenig Zeit hat. Oder damit, dass er zwar viel unterwegs ist, aber in den allermeisten Fällen nicht mehr als Hotel und Konzertsaal einer Stadt zu sehen bekommt. „Das gehört nun mal zum Job dazu“, sagt Becker. Und immerhin: Mit seiner Frau hat er feste Zeiten zum Quatschen – die Fahrten von Wildeshausen nach Oyten und zurück.

Im Laufe der Jahre hat der Trompeter so einige Referenzen hinzugewonnen. Er studierte an der Hochschule für Künste und der Trompetenakademie Bremen, Stipendien führten ihn nach Japan und in die USA zum Festival von Idyllwild in Kalifornien. Am Operettenhaus in Hamburg war er unter anderem an den Weltpremieren von „Ich war noch niemals in New York“ und „Rocky“ beteiligt.

Auch als erster Trompeter verschiedener Jazzbands, Studiomusiker und Mitwirkender bei zahlreichen Produktionen deutscher Rundfunk- und Fernsehanstalten hat er sich einen immer größeren Namen gemacht. Wer nun denkt, dass Holger Becker damit genug um die Ohren hätte, sieht sich jedoch getäuscht. In einer Bremer Swing-Band spielt er auch noch. Ach ja, und das heimische Blasorchester in Wildeshausen, das leitet der 39-Jährige natürlich ebenfalls.

In Oyten will Becker jetzt erst einmal das Repertoire der Kapelle kennenlernen. „Ich muss auch erst mal gucken, was die Mitglieder wollen“, kündigt der Dirigent an. Es gebe einen gewissen Stamm an Konzerten, die immer wiederkehrten. „Dafür muss man das Repertoire üben und festigen.“ Eine perspektivische Aufgabe sei es für ihn, jugendliche Mitglieder zum Mitspielen zu animieren.

Die Blaskapelle verspricht sich von Holger Beckers Arbeit neuen Schwung und eine Auffrischung ihres Liederbestands. „Wir wollen Musik für unsere Zuhörer machen, wenn möglich auch jüngere Zuhörer gewinnen. Von unserem neuen musikalischen Leiter ist in dieser Hinsicht eine Menge zu erwarten“, heißt es in einer Mitteilung der Kapelle. Den Beweis wolle man noch dieses Jahr erbringen.